3 Ursachen, warum deine Periode ausbleibt und was du dagegen tun kannst

Hintergründe zum Ausbleiben der Periode

Das Ausbleiben der Menstruation bei erwachsenen Frauen, die vorher schon die Menstruation hatten, wird mit dem Fachbegriff Hypothalamische Amenorrhoe bezeichnet. Das Ausbleiben der Periode nach dem Absetzen der Pille als Teil des Post-Pill-Syndroms ist hiermit nicht gemeint. Der Begriff heißt "hypothalamisch", da das Phänomen auf einer Störung des Hypothalamus basiert, welcher im Körper das Kontrollzentrum der Fruchtbarkeitsfunktionen darstellt. Wenn der Hypothalamus nicht richtig funktioniert, dann können die Sexualhormone wie das Follikelstimulierende Hormon (FSH) oder das Luteinisierende Hormon (LH) nicht richtig gebildet werden. Dadurch können diese in nicht ausreichender Menge gebildeten Hormone nicht richtig mit den Eierstöcken kommunizieren, die wiederum die wichtigen Hormone Östrogen und Progesteron bilden sollten. Östrogen ist vor allem für die Ovulation essenziell, während das Progesteron für den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut und die Menstruation verantwortlich ist.  

In Deutschland ist ungefähr jede 10. Frau von einer Amenorrhoe betroffen. Wenn bei dir einmal die Menstruation ausbleibt, ist das alleine noch keine Amenorrhoe. Von dieser spricht man erst dann, wenn die Periode seit mehr als 3 Monaten nicht mehr aufgetreten ist.  

Warum ist das Ausbleiben der Periode so gefährlich? 

Im Internet und in Foren ist von zahlreichen Frauen zu lesen, die erst nach 10 Jahren oder später etwas gegen ihre ausbleibende Periode unternommen haben. Es gibt jede Menge Gründe, warum es "soweit kommt". Beispielsweise sind oft sehr perfektionistische, nach außen hin erfolgreiche und leistungsstarke Frauen betroffen, die scheinbar vor allem beruflich alles in ihrem Leben erreicht haben. Auch gilt: je dünner eine Frau, desto größer ist das Risiko einer Amenorrhoe. Da in der Wirtschaft das Motto herrscht "Je dünner, desto erfolgreicher", sind zwangsläufig auch oft Frauen in Führungspositionen betroffen. Dass sie dafür einen sehr hohen Preis bis hin zur Kinderlosigkeit zahlen, wird vielen erst dann bewusst, wenn es zu spät ist.  

Tatsächlich ist der Verlust der Periode nicht einfach nur ein kosmetisches Problem. Vielmehr geht jede ausgebliebene Periode mit einem irreversiblen Verlust an Knochenmasse einher. In der Fachliteratur ist von jährlich 2-5% Verlust der bereits bestehenden Knochenmasse die Rede. Dazu kommt, dass eine gesunde Frau ansonsten sogar 2-3% Knochenmasse aufbauen könnte. Insgesamt führt eine ausbleibende Periode also zu satten 4-8% weniger Knochendichte pro Jahr. Daraus folgt irgendwann später, in höherem Alter, nach jahrelangem "Ignorieren" des Periodenverlusts fast notgedrungen eine Osteoporose. Vor allem junge Frauen unter 25, bei denen die maximale Knochendichte noch nicht erreicht wurde, sind von einem besonders hohen Osteoporose-Risiko betroffen. 

Welche Ursachen gibt es? 

Wikipedia und andere Quellen im Internet bieten leider wenig Informationen zu möglichen Hintergründen der Amenorrhoe an. Du liest dort viel über die Funktionsweisen und zu möglichen Störungen einzelner Drüsen oder Krankheitsbildern, die mit einer Amenorrhoe in Verbindung stehen können. Und natürlich gibt es viele Krankheiten, die du abklären solltest, wie beispielsweise Autoimmunkrankheiten, eine Unterfunktion der Schilddrüse oder PCO-Syndrom.  

Doch neben des PCOS sind diese nur bei einer Minderheit wirklich Ursache der ausbleibenden Periode.  

Auf die meisten Betroffenen trifft mindestens eine der folgenden Kategorien zu:

- Stress - nicht nur psychischer, sondern auch zu viel physiologischer Stress (wie eine mangelhafte Blutzuckerregulation oder unbekannte Lebensmittelallergien) 

- nicht genügend Kalorien / Kohlenhydrate (wie bei Low Carb) 

- zu viel Sport 

Stress 

Das stressbedingte Ausbleiben der Menstruation kommt häufiger vor, als viele denken. Unser Lebensstil ist oft in weiten Teilen fremdbestimmt und es erscheint uns normal, dass wir von einem Termin zum nächsten hetzen. Wenn du Probleme mit ausbleibenden Perioden hast, kannst du folgendes machen: Du setzt dir ein Zeitfenster, wie beispielsweise 3 Monate. Du kannst dir für diesen begrenzten Zeitraum vornehmen, dich konkret und ganz bewusst um einen ausgeglicheneren, ruhigeren Lebensstil zu kümmern. Dazu gehören beispielsweise weniger Social Media, mehr Zeit für dich mit lesen, Tagebuch schreiben, Musik hören oder was auch immer du möchtest, um dich gut um dich selbst zu kümmern. Auch Meditation könnte dir dabei helfen. Vielen hilft es auch, oft raus in die Natur zu gehen, weil Natur einen enorm beruhigenden und erdenden Einfluss auf uns Menschen hat. 

 

Nicht genügend Kalorien / Kohlenhydrate > zu niedriges Gewicht 

Wenn der Körper zu wenige Kalorien zugeführt bekommt, schützt er sich selbst vor einer Schwangerschaft und stellt die reproduktiven Funktionen ein. So auch bei der ausbleibenden Periode, die nur das sichtbare Symptom nach außen ist, dass im Inneren etwas Grundlegendes nicht stimmt. Auch Essstörungen können ein Grund für zu wenige Kalorien sein (A42). Untersuchungen zeigen, dass Betroffene im Schnitt ganze 270 Kalorien weniger aufnehmen als Frauen mit einer intakten Menstruation. 

Auch zu wenige Kohlenhydrate wie bei einer strikten Low-Carb-Diät können zum Ausbleiben der Periode führen. Der Körper braucht vor allem für die Produktion von … eine ausreichende Menge an Kohlenhydraten, die aber wiederum von Frau zu Frau unterschiedlich ist. Der Körper braucht langkettige Kohlenhydrate aus stärkereichen Lebensmitteln, um die entsprechenden Hormone für die Ovulation bilden zu können. Wichtig ist hierbei, dass du auf Lebensmittel achtest, in denen im Verhältnis mehr Glukose als Fructose enthalten ist. Stärkereiche Lebensmittel mit langkettigen Kohlenhydraten sind beispielsweise Gemüsesorten wie Süßkartoffeln, Kürbis oder Wurzelgemüse. Auch Kartoffeln oder Wildreis sind geeignet. Zu viel Fructose, also Fruchtzucker, kann den Blutzuckerspiegel hingegen verrückt spielen lassen. Das wiederum würde auch die Hormone durcheinander bringen.  

Zuviel Sport 

Der Grund für das Ausbleiben der Periode unter zuviel Sport ist relativ einfach. Der Körper gerät bei anstrengendem Sport unter Stress und die Geschlechtsdrüsen produzieren weniger von den zyklusrelevanten Hormonen. Vor allem in der zweiten Zyklusphase kann das kritisch sein, da der Körper hier mehr Ruhe braucht. Leichte Sportarten wie leichtes Yoga oder Spazierengehen, bei denen man sich nicht stark anstrengt, wirken eher entspannend und sogar balancierend auf die Hormonproduktion. Zusammen mit einer zu geringen Kalorienzufuhr und zu viel Stress ist das Phänomen weit verbreitet. Da davon vor allem Leistungssportlerinnen und ambitionierte Hobbyathletinnen betroffen sind, spricht man hierbei von der Female Athlete Triad - die Behandlung ist jedoch die gleich wie bei der "normalen" Amenorrhoe. 

 

Amenorrhoe, was kann man dagegen tun?  

Mindset 

Mittlerweile gibt es Studien dazu, dass alleine die Erhöhung der Kalorienzufuhr schon das Wiederkehren der Periode bewirken kann. Dass dazu jedoch vorher eine gewisse "Bewusstseinsarbeit" passieren muss, zeigt sehr eindrücklich das Beispiel von Helen  auf ihrem Blog. Einfach ein bisschen Zunehmen klingt vielleicht nicht schwer, doch jeder, der das schon einmal bewusst versucht hat, weiß wie schwer es sein kann. Du solltest dich dabei also nicht unter Druck setzen, sondern an deinem Mindset arbeiten. Um die Periode zurückzubekommen, musst du dich bewusst dafür entscheiden, deine Gesundheit an allererste Stelle zu setzen. Dafür ist es notwendig, die Kalorien zu erhöhen und an Gewicht zuzunehmen. Ohne Gewichtszunahme erlaubst du deinem Körper nicht, zu heilen. Er braucht diese Sicherheit in Form von Körperfett, das ihm signalisiert, dass die Zeit der Restriktion zu Ende ist. Dann wird er auch früher oder später wieder seine volle Funktion aufnehmen und bereit sein, eine Schwangerschaft zuzulassen. Denn nichts anderes ist eine regelmäßige Periode und auch der Eisprung. Mit all dem zeigt dir dein Körper, dass mit ihm alles okay ist. In den USA empfiehlt der Berufsverband der Gynäkologen sogar, die Periode neben der Atmung, Herztätigkeit, Körpertemperatur und Bewusstsein als fünftes Vitalzeichen aufzunehmen.  

Auch ein Teil der Mindset-Arbeit kann sein, dass du dich mit deinen weiblichen Werten beschäftigst. Welche Eigenschaften verbindest du mit Weiblichkeit? Wie bewertest du diese Eigenschaften? Möchtest du dich in dieser Hinsicht verändern? Es gibt zahlreiche gute Bücher zu diesem Thema und in letzter Zeit wird auch vermehrt darüber geschrieben. Doch es gibt ein Buch, das meiner Meinung nach wirklich jede Frau kennen sollte: Es heißt "Die Wolfsfrau" der mexikanisch-ungarischen Psychoanalytikerin Clarissa Pinkola-Estés. Es wird dir die Augen öffnen, weil es zeigt, wie wichtig die innere Stimme ist. Und diese ist eng mit dem weiblichen Zyklus verbunden. 

Ernährung 

Wie schon beschrieben, ist es enorm wichtig, dem Körper insgesamt und wirklich täglich mehr Energie zuzuführen. Eine ganz praktische Möglichkeit, die man jeden Tag in die Ernährung einbauen kann, sind dabei eine spezielle Kombination an Samen und Kernen. Dieses sogenannte Seed-Cycling kann dabei helfen, ein Hormongleichgewicht herzustellen und Regelschmerzen zu mindern und sollte über ca. 3-4 Monate hinweg durchgeführt werden.  

Wenn du deinem Körper mehr Kalorien zuführst und dich gleichzeitig weniger intensiv bewegst, wirst du natürlich nicht nur an Gewicht, sondern auch an Körperfett zunehmen. Aber genau das braucht dein Körper als die oben beschriebene Sicherheitsgarantie. Du signalisierst ihm damit, dass du ihn nicht stresst. Der Körperfettanteil, den dein Körper für ein normales Funktionieren des Zyklus braucht, ist sehr individuell und kann sich von Frau zu Frau stark unterscheiden. Manche sprechen hier von einem Mindest-Körperfettanteil von 20%, andere von 25%. Hier ist jeder Körper anders.  

 
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Quellen: 

Hypothalamic Amenorrhoea: http://rockyourhormones.com/beat-hypothalamic-amenorrhea/ 

Funktionale hypothalamic amenorrhoea oftmals aufgrund Gonadotropin-Mangels; http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10396367 

Mehr Patientinnen als bisher angenommen haben Ernährungsdefizite, die die Amenorrhoe erklären: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9419753 

Erklärung der Female Athlete Triad: http://journals.humankinetics.com/AcuCustom/Sitename/Documents/DocumentItem/8494.pdf 

Alleine die Erhöhung der Kalorienzufuhr kann wieder zum Autreten einer ausgebliebenen Menstruation bei sportlich aktiven Frauen führen: http://jissn.biomedcentral.com/articles/10.1186/1550-2783-10-34 

Ernährung bei stressbasiertem Ausbleiben der Menstruation: http://paleoforwomen.com/overcoming-hypothalamic-amenorrhea/ 

Seed Cycling für die Hormonbalance (dauert ca. 3-4 Monate): http://nicolejardim.com/wp-content/uploads/2014/04/Seed-Cycling-Protocol.pdf  

Zusammenfassung und Erklärung zu Amenorrhoe: http://www.aafp.org/afp/2013/0601/p781.pdf 

 Foto: Pexels.com / Polina Zimmerman